Der Betreuungsverein der AWO Schweinfurt Land

Rechtliche oder gesetzliche Betreuung- was bedeutet das?

Wenn volljährige Menschen aufgrund einer psychischen Erkrankung, einer geistigen, seelischen oder körperlichen Behinderung nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln, benötigen sie Hilfe.

 

Diese Menschen sind in vielen Bereichen des täglichen Lebens darauf angewiesen, dass andere für sie Entscheidungen treffen, sie unterstützen und für sie tätig werden - z.B. im Umgang mit Behörden, bei ärztlicher Behandlung, bei der Regelung ihrer finanziellen Angelegenheiten, bei Wohnungsangelegenheiten, bei der Durchsetzung ihrer Rechte.

 

Durch einen gesetzlichen Betreuer - der vom Betreuungsgericht /Amtsgericht bestellt ist - kann dem Betreuten die Möglichkeit gegeben werden, in seinem Rahmen ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des AWO Betreuungsvereins  führen rechtliche Betreuungen. Sie verstehen ihren Auftrag nicht nur in der Wahrnehmung der finanziellen und rechtlichen Belange des Betroffenen.

Auch bei der Führung einer Betreuung soll - gemäß unserem Leitbild - der Mensch im Mittelpunkt stehen.

 

Die rechtliche Betreuung

Das früher geltende Vormundschafts- und Pflegschaftsrecht wurde am 01. Januar 1992 durch das Betreuungsrecht abgelöst. Das Leitmotiv dieses Gesetzes lautet „Unterstützung statt Bevormundung“. Das persönliche Wohlergehen des Betroffenen und dessen Selbstbestimmung stehen im Vordergrund der Betreuung.

 

Was ist eine rechtliche Betreuung?

Eine rechtliche Betreuung ist die gesetzliche Vertretung eines volljährigen Menschen, der aufgrund einer Krankheit seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln kann. Das Wesen der rechtlichen Betreuung besteht darin, der betroffenen Person ein selbstbestimmtes Leben unter Achtung ihrer Grundrechte zu ermöglichen. Ist die betroffene Person nicht mehr in der Lage, ihre Angelegenheiten eigenständig zu regeln, wird vom zuständigen Betreuungsgericht ein Betreuer bestellt, soweit keine anderen Vorsorgeregelungen getroffen wurden (siehe Vorsorgevollmacht).

 

Voraussetzungen der Betreuung

§ 1896 BGB regelt die Voraussetzungen für die Einrichtung einer rechtlichen Betreuung. Hierin wird beschrieben, dass eine psychische Krankheit oder eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung vorliegen muss. Weiterhin muss die betroffene Person aufgrund der Krankheit oder Behinderung nicht mehr in Lage sein, ihre Angelegenheiten im ausreichenden Maße zu erledigen.

Die rechtliche Betreuung muss darüber hinaus zwingend erforderlich sein. Genauer gesagt, dürfen andere Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten nicht vorhanden sein oder geeignet sein, der betroffenen Person im ausreichenden Maße Unterstützung zu bieten.

 

Anregung der Betreuung

Grundsätzlich beginnt das Verfahren zur Feststellung der Betreuungsbedürftigkeit auf eigenen Antrag des Betroffenen oder von Amts wegen. Dies bedeutet, dass nicht nur die betroffene Person, sondern Jedermann dem zuständigen Betreuungsgericht einen Hinweis geben kann, dass eine Betreuung für eine bestimmte Person benötigt wird. Das Gericht entscheidet auf eine Anregung nach seinem Ermessen, ob ein Betreuungsverfahren durchgeführt wird. Zuständig ist das Amtsgericht, Abteilung Betreuungsgericht.

 

Umfang der Betreuung

Die Betreuung soll sich nur auf das Notwendigste beschränken und als letztes Mittel eingesetzt werden. Die betroffene Person soll, soweit es möglich ist, eigenständig Entscheidungen treffen und handeln. Hiernach leiten sich die Aufgabenkreise für den/ die Betreuer/in ab. Die Betreuung wird durch Beschluss des Amtsgerichtes angeordnet. Darin sind die erforderlichen Aufgabenkreise enthalten. Der/die Betreuer/in vertritt die betroffene Person gerichtlich und außergerichtlich in den angeordneten Aufgabenkreisen. Die häufigsten Aufgabenkreise sind: Aufenthaltsbestimmung, Gesundheitssorge, Vermögenssorge, Vertretung gegenüber Behörden, Versicherungen, Renten- und Sozialleistungsträgern, Anhalten und Öffnen der Post sowie Wohnungsangelegenheiten.

 

Auswahl des Betreuers

Das Betreuungsgericht bestellt eine geeignete Person zum Betreuer. D.h. diese muss fachlich und persönlich geeignet sein, die Angelegenheiten der zu betreuenden Person zu erledigen. Dies kann ein Familienangehöriger, ein/e Bekannte/r, ein/e Vereinsbetreuer/in, ein/e freiberufliche/r Betreuer/in oder ein/e Behördenbetreuer/in sein. Dabei hat die betroffene Person ein Vorschlagsrecht (siehe Betreuungsverfügung).

 

Weitere Infos

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